Was im Sommer 2024 noch wie ein kleines Sportmärchen begann, ist nun eindrucksvolle Realität: Die Damen des TC Hengersberg schlagen in der Regionalliga auf – der dritthöchsten deutschen Spielklasse und damit auf dem höchsten Niveau, das es aktuell im niederbayerischen Tennis gibt. Für den Verein, aber auch für die gesamte Region, ist das ein Meilenstein.
An diesem Sonntag (12 Uhr) fällt vor heimischem Publikum der Startschuss in diese besondere Saison. Mit dem TC Weiß-Blau Würzburg reist gleich zum Auftakt ein Mitaufsteiger aus Unterfranken an – ein Gegner, der für einen echten Härtetest sorgen dürfte. Die Vorzeichen sprechen für ein Duell auf Augenhöhe, die Chancen werden intern mit 50:50 eingeschätzt. Voraussetzung: Würzburg tritt mit seiner international stark besetzten Mannschaft an, angeführt von Spielerinnen wie Matoula Martha (WTA 346) oder Denislava Glushkova (421).
Die Zuschauer in Hengersberg dürfen sich gleich zum Auftakt auf Tennis der Extraklasse freuen. Mit Alevtina Ibragimova (Weltrangliste 316) und Amarissa Toth (308) stehen zwei Spielerinnen im Kader, die regelmäßig auf internationalen Turnieren unterwegs sind. Damit bekommt das heimische Publikum Spitzensport geboten, wie man ihn in der Region nur selten zu sehen bekommt. Zusätzlichen Auftrieb gibt die Rückkehr von Alissia Gleixner, die nach überstandener Verletzung wieder zur Verfügung steht. Die Hengersbergerin kennt den Verein wie kaum eine andere, wurde hier ausgebildet und bringt wertvolle Erfahrung aus höherklassigen Stationen mit.
Dass die Mannschaft bereit ist für die Herausforderung Regionalliga, kommt nicht von ungefähr. Seit Wochen arbeitet das Team akribisch auf den Saisonstart hin. Mannschaftsführerin Kristina Wagatha, Tamara Ritzinger und Hannah Brandl stehen – gemeinsam mit dem gesamten Kader – nahezu täglich auf dem Platz. Trainer Adrian Preisinger sieht sein Team gut gerüstet, bleibt aber realistisch: „Wir haben in den letzten Wochen sehr viel und hart trainiert und ich bin zuversichtlich, dass wir die Klasse halten können. Jedoch muss alles passen und wir müssen von Verletzungen verschont bleiben.“ Auch Wagatha blickt voller Vorfreude auf den Auftakt: „Ich freue mich riesig, dass es endlich losgeht. Wir haben ein tolles Team und keine Angst vor den großen Namen. Wir sind heiß!“
Der Aufstieg in die Regionalliga ist die Fortsetzung einer bemerkenswerten Entwicklung. 2024 gelang am letzten Spieltag der Landesliga mit einem überraschend deutlichen Sieg beim damaligen Tabellenführer in Straubing der Sprung in die Bayernliga – ein erster Paukenschlag. Ein Jahr später folgte die nächste Überraschung: Als Vizemeister hinter dem TC Schießgraben Augsburg hielt Hengersberg nicht nur souverän die Klasse, sondern klopfte bereits an die Tür zur Spitze. Durch Rückzüge in höheren Ligen eröffnete sich schließlich die unerwartete Chance auf den Aufstieg in die Regionalliga – und der Verein zögerte nicht. Trotz des schmerzlichen Abgangs von Leistungsträgerin Lara Wagner, die sich höherklassig orientierte, ist es gelungen, die Mannschaft weiterzuentwickeln und gezielt zu verstärken. Die Mischung aus eigenen Talenten und international erfahrenen Spielerinnen gilt als großer Trumpf.
Die Regionalliga stellt Hengersberg nun vor völlig neue Herausforderungen. Neben Würzburg warten etablierte Teams wie der TC Aschheim, der TC im TSV Zella-Mehlis, CaM Nürnberg, GW Luitpoldpark München II sowie der TSV Altenfurt. Der Unterschied zur Bayernliga ist deutlich: Auf den Spitzenpositionen stehen regelmäßig Spielerinnen aus den Top 500 der Weltrangliste – für viele ist Tennis Beruf, nicht Leidenschaft nebenbei. Gleichzeitig sind die Kader deutlich breiter und tiefer besetzt, Ausfälle können leichter kompensiert werden.
Vor diesem Hintergrund ist das Saisonziel klar definiert: der Klassenerhalt. Um dieses Ziel zu erreichen, wird voraussichtlich mindestens Platz fünf notwendig sein, da mit bis zu drei Absteigern gerechnet werden muss. Eine anspruchsvolle Aufgabe für das junge Team. Doch in Hengersberg überwiegt die Zuversicht. Die Mannschaft hat in den vergangenen Jahren mehrfach bewiesen, dass sie über sich hinauswachsen kann. Teamgeist, Trainingsfleiß und die neu gewonnene internationale Qualität sollen nun auch in der Regionalliga den Unterschied machen.
red/ad
Deggendorfer Zeitung (PNP), April 2026